18. Dezember 2016

Buchbesprechung:

Klaus-Peter Dahm: Vom Klimawandel zur Energiepolitik

Eine umfassende Prüfung der zugrundeliegenden Annahmen

Buchtitel

Das Lager der Gegner der Klimapolitik ist sehr unterschiedlich. Unter ihnen befinden sich Extremisten, Verschwörungstheoretiker, Konservative, Lobbyisten der Ölindustrie. Doch gibt es auch eine wachsende Zahl von gemäßigten Demokraten, die aus Gründen der Wahrheit, der ökonomischen Vernunft oder aus Sorge um das Wohlergehen der Bürger für eine Revision der Klima- und Energiepolitik eintreten. Zu ihnen zähle ich mich selbst und den Autor des hier besprochenen Buches. Klaus-Peter Dahm ist promovierter Naturwissenschaftler (Geochemiker) und erfahrener Kommunalbeamter. Er legt Wert auf die Feststellung, Mitglied der SPD gewesen zu sein und früher auch mit vielen Vorstellungen der Grünen sympathisiert zu haben. Er sei parteilos, kein Unterstützer der AfD und auch nicht Mitglied von EIKE oder anderen Organisationen der „Skeptiker“ und erhalte auch nicht von irgendeinem Lobbyverband Zuwendungen.

Man muss dem Autor zugestehen, dass er in einer akribischen Recherche die Annahmen der Befürworter der international gängigen Klima- und Energiepolitik auf ihre Stichhaltigkeit, ihre empirische Grundlage und logische Widerspruchsfreiheit hin überprüft hat und sein vernichtendes Urteil um so schwerer wiegt, als es sich auf jede Verästelung der Argumentation erstreckt. Seine Quellen sind die besten und allgemein anerkanntesten der scientific community, die verfügbar sind. Leider ist die Datenlage im Bereich des aktuellen Energiemarktes ziemlich intransparent, so dass Dahm sich hier auf die Arbeiten eines Aktivisten der Gegenbewegung (R. Schuster) stützen musste, die aber vertrauenswürdig zu sein scheinen, da sie sich ihrerseits auf die Veröffentlichungen der Leipziger Strombörse stützen. Kurzum, Dahm bildet die Summe der Fakten und urteilt mit starken Gründen. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse:

1. Die globale Erwärmung ist eine Tatsache. In den letzten 100 Jahren hat sich die Temperatur der Erdatmosphäre um ca. 0,85 °C erhöht. Auch die Ozeane haben sich in den letzten 100 Jahren erwärmt, allerings geringer als die Luft.
2. Solche klimatischen Veränderungen sind nichts Außergewöhnliches. Im kleinskaligen Bereich (die letzten 10.000 Jahre) traten Änderungen im Umfang von 2 bis 4 °C auch vor der Industrialisierung auf. Im mittelskaligen Bereich (die letzten 500.000 Jahre) sind Schwankungen bis zu 10 bis 12 °C zu beobachten. Seit 2.300 Millionen Jahren existieren nachweislich Klimaveränderungen.
3. Die Folgen des heutigen Klimawandels sind nicht bedrohlich. Der Meeresspiegel steigt derzeit 2 mm pro Jahr. Die Gesamtbilanz der polaren Eisdecken hat sich in den letzten 10 Jahren zum Positiven entwickelt. Die Extremwetter nehmen nicht generell zu. Die Ozeane versauern nicht.
4. Die Konzentration des Kohlendioxids in der Atmosphäre nimmt gegenwärtig zu. Der Anstieg ist wahrscheinlich durch den Menschen verursacht. Doch ist der Anstieg nicht dramatisch. Die meiste Zeit lagen die Werte fast ständig zwei- bis dreifach über dem heutigen Wert, zeitweise auch zehn- bis zwanzigfach darüber.
5. Es besteht keine ausreichende Klarheit über die CO2-Heizwirkung. Sie ist wahrscheinlich sehr niedrig, etwa bei 0,7 bis 0,8 °C pro Verdoppelung. Die heutige Erwärmung lässt sich nicht ausreichend mit dem Anstieg des CO2 erklären.
6. Die CO2-Konzentrationskurven korrelieren nicht generell mit den Temperaturkurven. In den letzten 100 Jahren stiegen die Konzentrationen stetig, während die globale Temperatur zeitweilig sank. In allen Skalenbereichen lassen sich Korrelationen entdecken, doch die Zeitabschnitte mit fehlenden Korrelationen machen 61 % aus. In den korrelierenden Abschnitten folgt die CO2-Kurve der Temperaturkurve in einem Zeitabstand von 800 Jahren. Es sind die Temperaturen, die die CO2-Konzentrationen verursachen, nicht umgekehrt. Damit bricht die zentrale Zielstellung der Energiepolitik, die Dekarbonisierung, in sich zusammen.
7. Im Gegenteil, eine Erhöhung des Kohlendioxidanteils der Luft ist bis zu einem gewissen Wert für Mensch und Natur nützlich. Bis zu 1000 ppm (derzeit bei 400 ppm) trägt sie zu einer beträchtlichen Zunahme des Pflanzenwuchses bei.
8. Die Vorräte an fossilen Brennstoffen sind unbekannt, doch ist es sicher, dass sie auch bei steigendem Verbrauch noch viele Jahrzehnte und Jahrhunderte ausreichen. Es gibt gewaltige Vorräte an Gashydraten auf dem Meeresgrund und spaltbares Material in unerschöpflicher Menge.
9. Die Kernenergie ist die sicherste Form der Stromerzeugung. Die Probleme der Lagerung sind durch die Wiederaufbereitungstechnik verschwindend gering. Niedrige Strahlung ist entgegen der gängigen Meinung nicht schädlich, sondern nützlich. Erst ab 1000 mSv beginnt die schädliche Wirkung der Strahlenbelastung. Die natürliche Durchschnittsbelastung liegt in Deutschland bei 2,4 mSv. 250 mSv gelten als Untergrenze für die Schädlichkeit einer Einmalbestrahlung.
10. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen (Wind und Sonne) ist nicht verbrauchsorientiert, sondern schwankt aus natürlichen Gründen zwischen 50 % und 0 %. Die durchschnittliche Leistung dieser beiden Quellen liegt bei 10 bis 20 %, obwohl ihre Nennleistung den Gesamtbedarf übersteigt. Zum Ausgleich werden Sekundäranlagen auf Kohlebasis im Stand-by-Betrieb gehalten, die ebenfalls den Gesamtbedarf abdecken. Insgesamt sind 230 % des Bedarfs an Stromerzeugungsanlagen installiert.
11. Eine Abhilfe der Schwankungen böte nur eine Speichertechnik, die aber nicht ansatzweise in Sicht ist.
12. Durch die geplante Abschaltung aller Kernkraftwerke bis 2022 müssen neue Kapazitäten auf Kohlebasis aktiviert werden. Eine Erweiterung der erneuerbaren Kraftwerke ist nicht möglich, weil sie sonst in Spitzenzeiten zu viel Strom erzeugen. Sowohl zu wenig als auch zu viel Stromerzeugung führen zu Netzinstabilitäten.
13. Derzeit müssen Strom-Überschüsse ans Ausland unter Preis verkauft werden, teilweise sogar verschenkt oder gar mit Bonuszahlungen versehen werden. Durch die Überkapazitäten sank der Strompreis. Aufgrund der Preisgarantien an die Wind- und Solaranlagenbetreiber steigen die Kosten der Verbraucher, wenn die Strompreise sinken. Die Stromkosten der Verbraucher verdoppelten sich in Deutschland.
14. Durch einen Netzausbau lassen sich die Probleme nicht lösen.
15. Seit einigen Jahren steigt die CO2-Emission in Deutschland.
16. Die Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Biomasse ist umweltschädigend. Windanlagen töten viele Vögel und Fledermäuse. Wind- und Solaranlagen verbrauchen Landschaft. Biogas ist grundwasserschädlich.

Die Liste der Ergebnisse zeigt, wie umfassend die Analyse ausfällt. Die Allgemeinverständlichkeit ist durchgängig gewahrt.

Wer nach Lektüre dieses Buches weiterhin für die Klimapolitik und die daraus abgeleitete Energiepolitik eintritt, muss schon sehr gute neue Gründe vorbringen. Aus meiner Sicht sind beide grobe Verstöße gegen das Allgemeinwohl. Allerdings hat sich um sie herum ein neuer Industriekomplex gebildet, der nicht nur viele hundert Milliarden Umsatz erwirtschaftet, sondern auch Tausende von Arbeitsplätze insbesondere in der Forschung schafft. Es ist nicht schwer zu erklären, warum die Akteure so angestrengt nicht wahrhaben wollen, was der neutrale Beobachter längst begriffen hat.

Klaus-Peter Dahm: Vom Klimawandel zur Energiewende. Eine umfassende Prüfung der zugrundeliegende Annahmen, Berlin, 2016, 257 Seiten.

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