27. Juni 2016

Der Klimawandel und unser Wetter

von Helmut Krebs

Unwetter in Deutschland

Unwetter über Deutschland: Regionalzug entgleist, Festival abgesagt - viele Verletzte (Quelle: wetter.de)

Nach dem Fußball ist die größte Leidenschaft der deutschen Öffentlichkeit die Wetterbeobachtung. Seit wir darüber belehrt wurden, dass sich aufgrund des Energieumsatzes der Industrieländer die CO2-Konzentration in der Luft erhöht und dadurch die Durchschnittstemperaturen, schauen wir morgens in wetter.de und stellen fest: Der Klimawandel findet statt. Unwetter richten in Deutschland schwere Schäden an! und Unwetter in den USA: Überflutungen im Osten - Waldbrände im Westen (Quelle: wetter.de). Und dann ist heute auch noch Siebenschläfer!

Und das ist schlecht. Klimawandel bedeutet drohender Hitzetod der Erde, Anstieg des Meeresspiegels und somit Untergang einer gewissen Südseeinsel und der Hälfte von Bangladesch und Holland, Extremwet­terlagen, Stürme und Hochwasser. Mit einem Wort: Die Industrialisierung zieht den Weltuntergang nach sich wie weiland die Sintflut Sodom und Gomorrha verschlang.

Über dieses Thema findet eine äußerst kontroverse Diskussion außerhalb der offiziellen akademischen Kreise unter Wissenschaftlern und Amateuren statt. Es ist nicht meine Absicht, diesen Streit durch ein Schlusswort hier zu beenden. Ich bezweifle nicht, dass es einen Klimawandel gibt. Ich bezweifle nicht, dass die menschlichen Eingriffe die Umwelt beeinflussen. Was ich hier unter die Lupe nehme ist nur folgendes: Können wir in unserer Alltagserfahrung Wissen erwerben über klimatische Veränderungen? Das Alltagswissen erzählt von kalten verregneten Sommern in den 1980er-Jahren und warmen in den 1990er-Jahren. Wir erinnern uns an weiße Weihnachten und an kalte Ostern usw. Doch was besagt dieses Wissen? Ist es überhaupt ein Wissen und nicht nur ein Erzeugnis unserer Phantasie, ein Narrativ, das einer empirischen Überprüfung nicht standhält.

Um die Entwicklung des Wetters in Deutschland der letzten Jahrzehnte nachzuvollziehen, können wir uns auf Messdaten stützen, die der Deutsche Wetterdienst kostenlos der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Ich habe die Messreihen der vielen hundert Messstationen nach den längsten Datensätzen durchwühlt und bin dabei auf einige Merkwürdigkeiten gestoßen. Es gibt nur wenige Datenreihen von Messstationen, die weit in die Vergangenheit reichen und gleichzeitig bis in die unmittelbare Gegenwart. Es gibt viele Reihen, die nicht weit zurückreichen und einige, die weit zurückreichen, aber vor Jahren nicht fortgesetzt wurden. Unter den brauchbarsten habe ich zwei genommen, die von Heidelberg und Bremen. Sie ähneln sich im Bild. Die Bremer Reihe ist länger. Sie will ich hier vorstellen. Selbstverständlich können die Bremer Werte nicht stellvertretend für die Nordsee-Küste, nicht für Deutschland oder Europa und nicht für den Globus stehen. Es sind einfach Werte, die Bremer Bürger tatsächlich erleben.

Für diejenigen, die meine Untersuchung nachvollziehen wollen, sei die Quelle genannt: Die Auflistung aller Messstationen findet sich unter der url: ftp://ftp-cdc.dwd.de/pub/CDC/observations_germany/climate/monthly/kl/historical/KL_Monatswerte_Beschreibung_Stationen.txt . Die Bremer Werte finden sich unter ftp://ftp-cdc.dwd.de/pub/CDC/observations_germany/climate/monthly/kl/historical/, der Messreihe mit der Nummer 691. Die Bremer Daten reichen von 01.01.1890 bis zum 31.12.2104. Sie werden als txt-Datei angeboten. Diese lässt sich durch Aufruf in einem Tabellenkalkulationsprogramm in eine cvs-Datei konvertieren und dann weiter bearbeiten. Ich verwende Libre Office. Die Daten enthalten u.a. Reihen über die Monatsdurchschnitts-Temperaturen in Grad Celsius und die Niederschlagsmenge pro Monat in mm. Einige Monate nach 1945 fehlen, aber das ist nicht erheblich.

Grafik Temperatur Bremen

Grafik 1: Temperaturen in Bremen. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Die Temperaturentwicklung zeigt die Grafik 1. Die blauen Zacken sind die Jahreszyklen. Jeder Ausschlag ist ein Sommer, jedes Tief ein Winter. Die rote Kurve zieht die Monatsdurchschnitts-Temperaturen zu Jahresdurchschnitts-Temperaturen zusammen. Wir können hier ablesen, ob die jeweils zurückliegenden zwölf Monate insgesamt kälter oder wärmer waren. Die blaue Wellenlinie ist eine Zusammenfassung der Jahreswerte zu einer gleitenden Zehnjahresdurchschnitts-Temperaturkurve. Wir können hier die Tendenz der Durchschnittstemperatur der jeweils zehn zurückliegenden Jahre ablesen. Alle Werte wurden zu einer Gesamt­tendenz maschinell zusammengefasst. Es ist die gestrichelte hellrote Linie. Diese Linie entwickelt sich von 1890 bis 2014 leicht aufwärts um insgesamt etwas mehr als ein halbes Grad. Würden Sie diese Tendenz mit bloßem Auge erkennen?

Daraus ergibt sich folgender Befund: Wer in Bremen eine klimatische Erwärmung erleben wollte, musste über einen Zeitraum von 124 Jahren eine Durchschnittserwärmung von einem halben Grad wahrnehmen. Das ist unmöglich. Was er tatsächlich wahrnahm, waren die blauen Zacken, die Schwankungen von ca. 15 °C der tatsächlichen Temperaturen zwischen Tag und Nacht. Vielleicht erinnern wir uns an den sehr warmen Sommer 2006 oder den sehr kalten Winter 2011. Vielleicht erinnern wir uns, dass es zwischen 1976 und 1978 immer kälter wurde und dass es kalt blieb bis 1986. Aber der Langzeittrend über 124 Jahre ist eine ganz andere Sache, die sich der subjektiven Wahrnehmung entzieht.

Es existieren Messwerte über die CO2-Konzentration von Hawaii seit 1958. Die Werte steigen fast linear im Jahresdurchschnitt an. Die folgende Grafik 2 gibt sie uns wieder. Die Konzentration der CO2-Moleküle in der Atmosphäre betrug 1958 ungefähr 310 ppm (Teilchen pro 1 Million Teilchen Luft) und liegt heute bei ungefähr 400 ppm, das ist eine Zunahme von knapp 30 %. Natürlich lässt sich das CO2 nicht riechen oder schmecken.

Grafik CO2-Konzentration Temperaturen in Bremen seit 1958

Grafik 2: CO2-Konzentration von 1958 bis 2015. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Grafik 3: Temperaturen in Bremen seit 1958. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Wir wissen nicht, seit wann die lineare Zunahme der CO2-Konzentration stattfindet. Sie kann aber logischerweise nicht schon ewig vor sich gehen, weil sonst vor etwa hundert Jahren ein rechnerischer Ausgangswert von 0 ppm anzunehmen wäre. Es wird allgemein vermutet, dass der Anstieg durch die weltweite Industrialisierung nach 1945 erfolgte, während er vorher über Jahrtausende konstant war. Tatsächlich entspricht der Trend der Temperaturen im Messzeitraum der CO2-Konzentration auch einem Anstieg. Dies zeigt uns Grafik 3, der Durchschnittstemperaturen von Bremen seit 1958. Diese stiegen im Trend während dieses Zeitraums um durchschnittlich 1,5 °C. Da aber im gesamten Zeitraum von 124 Jahren nur ein Anstieg von einem halben Grad Celsius erfolgte, ist diese Übereinstimmung trügerisch. Ich habe damit gezeigt, dass ein erinnerbarer Zeitraum, nämlich der seit 1958 (damals war ich 8 Jahre alt), über den Langzeittrend falsche Auskunft erteilt. Die gesamte Zeitspanne über betrug der Trend insgesamt nur ein Drittel des jüngsten Trends (es gab also einen gegenläufigen Trend zwischendurch). Dieses kleine Beispiel zeigt, dass die Dinge sehr viel komplizierter sind, als unsere Bordmittel sie uns verständlich machen und dass unsere subjektive Wahrnehmung belanglos ist.

Die Temperaturen sind nur eines der deutlich erlebbaren Wetterphänomene. Auch die Niederschlagsmenge gehört dazu. Hier nun die Grafik 4, welche die Niederschlagsmenge in mm in Bremen seit 1890 wiedergibt. Wieder sind die gleitende Durchschnitte beigegeben und ein Gesamttrend.

Grafik Niederschläge in Bremen

Grafik 4: Niederschlagsmenge in Monaten in Bremen. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Der Gesamttrend ist rechnerisch konstant Die Jahresdurchschnitte sind sehr volatil und zeigen eine einigermaßen regelmäßige Frequenz. Der gleitende Zehnjahresdurchschnitt bewegt sich in Jahrzehnten auf und ab. Auffällig sind die feuchten Jahre Anfang des neuen Jahrhunderts 2000 folgende und die relativ trockenen des letzten Jahrzehnts. Dieses Jahr regnet es bei uns ununterbrochen seit Monaten. Wie passt das nun zum Klimawandel? Bedeutet Klimawandel eher Trockenheit oder Feuchtigkeit? Die Grafik ist unentschieden.

Grafik CO2-Konzentration Niederschläge in Bremen seit 1958

Grafik 2: CO2-Konzentration von 1958 bis 2015. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Grafik 5: Niederschlagsmenge in Monaten in Bremen seit 1958. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Grafik 2 ist die vielleicht wichtigste Tatsache, auf die sich die Klimalarmisten stützen. Niemand wird behaupten, dass sich der lineare Anstieg der CO2-Konzentration in der Entwicklung der Niederschlagsmenge in Bremen während desselben Zeitraums ausdrückt. Klima ist eben etwas anderes als Wetter, selbst als das Wetter über einen Zeitraum von 56 Jahren. Auf sehr feuchte Jahre folgen oft sehr trockene, auf warme folgen kalte. Die Volatilität überlagert den langfristigen Trend in einer Weise, dass das Wettererlebnis keinerlei Rückschlüsse auf klimatische Trends zulässt. Die Tatsache langfristiger anthropogener globaler Erwärmung müssen wir der Wissenschaft glauben, auch wenn wir nicht so recht wissen, wo sie eigentlich stattfindet. Hoffen wir nur, dass die Akrobaten an den Superrechnern alle relevanten Variablen erkannt und quantifiziert haben. Wenn nicht, gäbe es ein böses Erwachen.

Zum Schluss noch eine Grafik, an die die Geologen glauben. Die Grafik 6 zeigt die ungefähre Temperaturentwicklung der letzten 150.000 Jahre aus der geologischen Forschung.

Klimakurve der letzten 150.000 Jahre

Grafik 6: Temperaturentwicklung (nach Salomon Kroonenberg: Der lange Zyklus, Darmstadt, 2008, S. 12)

Demnach befänden wir uns auf dem Gipfel einer Zwischenwarmzeit und tendierten zur nächsten Eiszeit. Vor 125.000 zog der Homo sapiens (Neandertaler) nach Europa und im Zuge des Super-Interglazials erfolgte der Aufstieg des Homo sapiens sapiens (wir). Vielleicht ist es für uns im Hinblick auf diese Zukunft vorteilhaft, die CO2-Konzentration zu erhöhen. Es würde den Kältetod von Mensch und Zivilisation abschwächen und uns das Schicksal des Neandertalers ersparen.

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