16. November 2015

Der Kapitalismus ist das soziale und ökologische Erfolgsmodell schlechthin

von Helmut Krebs

„Der Begriff Fortschritt ist sinnlos, wenn er auf kosmische Ereignisse oder auf eine umfassende Weltanschauung angewandt wird. Wir haben über die Pläne des ersten Bewegers keine Information. Aber im Rahmen einer ideologischen Lehre verhält es sich anders. Die überwältigende Mehrheit strebt nach einer größeren und besseren Versorgung mit Nahrung, Kleidung, Wohnung und anderen materiellen Annehmlichkeiten. Wenn die Ökonomen das Steigen des Lebensstandards der Massen Fortschritt und Verbesserung nennen, vertreten sie keinen dürftigen Materialismus. Sie stellen einfach die Tatsache fest, dass die Leute durch die Not zur Verbesserung ihrer materiellen Existenzbedingungen angetrieben sind. Sie beurteilen die Politik vom Standpunkt der Ziele, die die Menschen erreichen wollen. Wer das Sinken der Kindersterblichkeit und das graduelle Verschwinden von Hunger und Seuchen verachtet, werfe den ersten Stein auf den Materialismus der Ökonomen.“ (Ludwig von Mises: Human Action, Kap. 9.4.)

Der Liberalismus ist schlecht beraten, wenn er die Anliegen der Unterstützer der Ökologisten zurückweist, weil sie mit ökologistischen Utopien verbunden werden. Umweltschutz und Armutsbekämpfung, Verbraucherschutz und fairer Handel sind berechtigte und menschliche Ziele. Ihre Verwirklichung ist im Kapitalismus einer freien Marktwirtschaft am besten möglich. Der Oxford-Ökonom Max Roser kommt in seiner Untersuchung „Our World in Data“ zum Fazit: „Viele Trends sind sehr positiv: Gewalt, Armut und Hunger nehmen – über einen längeren Zeitraum gesehen – stark ab.“ (1) Aber der Ökologismus ist eine Ideologie im Geiste der Romantik und eine Ersatz-Religion.

Es waren nicht die Gewerkschaften, die die Lebensbedingungen der arbeitenden Massen verbessert haben. Wenn zwischen 1900 und 1990 sich in den USA die inflationsbereinigten Reallöhne verachtfacht haben, (2) so nicht deshalb, weil die Gewerkschaften irgendeine Forderung durchgesetzt hätten. Im Gegenteil. Obwohl die Gewerkschaften dazu drängten, die Löhne ständig über das Niveau eines freien Arbeitsmarktes zu heben und damit chronische Massenarbeitslosigkeit verursachten, hat sich die Produktivität der Wirtschaft entwickelt. Sie hat sich entwickelt durch Sparen, Kapitalneubildung und die Einführung immer besserer Technologie. An diesem Nektar konnten die Gewerkschaften über Gebühr saugen und damit die Entwicklung eher hemmen als fördern. Sie waren Nutznießer der Leistungen der Produzenten, Unternehmer und Arbeiter, die sie auf ihrem Propagandakonto gutschrieben.

Es waren nicht die marxistischen „Freiheitsbewegungen“ der Dritte-Welt-Länder, die den Hunger zurückgedrängt haben. Das setzte der Kapitalismus trotz und gegen die marxistischen Guerillas durch. Beginnend mit Justus von Liebigs Entdeckung des Phosphatdüngers (1846—1849) waren es die Erfindungen der industriellen Landwirtschaft, die Züchtungen besserer Sorten, die Kapitalinvestitionen im Agrarbereich, die die Mengen vermehrten und die Preise sinken ließen. Diese kapitalistischen Errungenschaften überwanden den Hunger und nährten eine wachsende Bevölkerung.

Weizenpreise seit 1300

Seit 1970 hat sich die Lebensmittelmenge pro Kopf global um über ein Viertel erhöht, obwohl dich die Weltbevölkerung verdoppelte. Die Weltmarktpreise für die drei wichtigsten Nahrungspflanzen – Weizen, Reis und Mais – fielen auf einen historischen Tiefstand. Grafik 1 zeigt die Entwicklung des Weizenpreises von 1300 bis heute. (3)

Es waren auch nicht Die Grünen, die sich als Partei 1980 gründeten, die Deutschland saubere Luft und sauberes Wasser gebracht haben. Es waren Generationen von Menschen, die in Deutschland und den anderen hochentwickelten Ländern seit nunmehr schon über hundert Jahren die Umweltbedingungen Schritt für Schritt verbesserten. Schon seit 1865 werden die Großstädte Europas mit Abwasserkanälen und Kläranlagen versehen. Als die Grünen antraten, waren die Städte längst kanalisiert, die hoch effektiven Kläranlagen bereits flächendeckend gebaut, wurden Stück um Stück schädliche Bestandteile der Waschmittel durch unschädliche ausgetauscht. Die Produzenten der Haushaltschemie entwickelten immer umweltfreundlichere Produkte, weil sie das dazu notwendige Kapital einsetzen konnten und wollten. Eine vernünftige Gesetzgebung trieb die Entwicklung während der ganzen Zeit immer weiter voran. (4)

Es war nicht Greenpeace, das die Wale vor dem Aussterben gerettet hat, sondern ausgerechnet John D. Rockefeller, der 1870 die Standard Oil Company gründete. Sein Petroleum für die Öllampen ersetzte das Walöl und schenkte Mobby Dick das Leben. Dass Greenpeace heute Wale retten kann, hat sie dem zu verdanken, den es als Inkarnation des Bösen verunglimpft.

Mitte des 19. Jahrhunderts war der von den Romantikern besungene deutsche Wald in einem erbärmlichen Zustand. Er war überwirtschaftet. Holz war Bau-, Möbel-, Papier-, Bergwerksholz, vor allem aber der Rohstoff für die Wärmegewinnung. Das Vieh wurde im Wald zur Weide getrieben, die Armen sammelten Krüppelholz, wodurch die Humusbildung verhindert wurde. Seit langem versuchten Forstwirte die Nachhaltigkeit als Prinzip durchzusetzen, doch erst im 19. Jahrhundert konnte in Deutschland endlich nachhaltige Forstwirtschaft tatsächlich betrieben werden, der Wald ergrünen und die Romantiker darin wandern und den Vögeln lauschen, weil die Steinkohle Holz als Primärenergieträger abgelöst hatte. Die Industrialisierung unternimmt gewaltige Eingriffe in die Umwelt. Doch der Umweltschutz folgt der Industrialisierung. Auch für die Probleme, die die Kohle brachte, wurden Lösungen gefunden. Atomenergie wird die Technologie der Zukunft sein, mit ausreichenden Rohstoffen für alle Zeiten. (5)

Fruchtbarkeitsrate und Bruttoinlandsprodukt

Wir entdecken im Hinblick auf die Umweltbelastungen einen Kreislauf von Ursachen und Wirkungen. Der wirtschaftliche Fortschritt führt zu einer Steigerung der Produktion, zur Verbesserung der hygienischen Bedingungen, der medizinischen Versorgung, der Lebensmittelversorgung und dies zur Steigerung der Bevölkerung. Die gewachsene Bevölkerung drängt nach Wirtschaftswachstum und beschleunigt die umweltbelastenden Faktoren. Selbst wenn angenommen wird, was oben an Erfahrungen aufgezeigt wurde, dass der Umweltschutz mit dem technischen und wirtschaftlichen Fortschritt Schritt hält, so ist doch der treibende Faktor der Bevölkerungsentwicklung damit nicht aus der Welt gesetzt. Wenn wir diesen Trend fortschreiben, muss die Erde als Ökosystem eines Tages zugrunde gehen, weil lineare Prozesse in einer endlichen Welt irgendwann an Grenzen stoßen. So argumentieren die Nullwachstumsapostel. Sie haben recht. Nur, sie irren sich dennoch, weil sich der Trend tatsächlich nicht ungehindert fortsezt. Ein gegenläufiger Trend entsteht und wird immer wirksamer. Die Verbesserung der Lebensbedingungen setzen den weiblichen Teil der Menschheit frei von der Plackerei des Kinderkriegens und Versorgens der Familie. Mädchen und Frauen bekommen Zugang zu Bildung und Beruf und damit sinkt die Fruchtbarkeitsrate. Die Folge ist eine Stagnation der Bevölkerungsentwicklung. Dies verdeutlicht nebenstehende Grafik 2. (6)

Je höher das Bruttoinlandsprodukt (x-Achse nach rechts), desto geringer ist die Fruchtbarkeitsrate (y-Achse nach unten). Noch einige Jahrzehnte werden sich die Bevölkerungszahlen steigern, doch dann wird die Dynamik nachlassen und zum Stillstand kommen. Der Schlüssel zur Lösung der mit dem Bevölkerungswachstum zusammenhängenden Probleme ist die wirtschaftliche Entwicklung und die Emanzipation der Frau. Beides ist in einer freien Marktwirtschaft, im Kapitalismus am besten zu schaffen.

Je freier eine Gesellschaft und ihre Wirtschaft, desto dynamischer der Fortschritt und desto rascher entwickelt sich die Zivilisation, desto sauberer die Umwelt. Die durch die Technik geschaffenen Probleme werden durch Technik gelöst, nicht durch ängstliches Erstarren, Hemmen und Zurückbauen.

Fußnoten:

(1) http://ourworldindata.org/. Zitiert in: http://www.huffingtonpost.de/2015/08/05/oxford-okonom-max-roser-die-welt-wird-standig-besser_n_7937264.html.

(2) Dirk Maxeiner/Michael Miersch: Das Mephistoprinzip. Warum es besser ist, nicht gut zu sein, Frankfurt, 2001, S. 21.

(3) http://ourworldindata.org/data/food-agriculture/food-prices/.

(4) Als Beispiel soll auf die Berliner Abwasserversorgung verwiesen werden. http://www.bwb.de/content/language1/downloads/Berliner-Kanalisation_2012_web.pdf.

(5) Vgl. Horst-Joachim Lüdecke: Energie und Klima. Chancen, Risiken, Mythen, Renningen, 2013, S. 35–38.

(6) https://en.wikipedia.org/wiki/Total_fertility_rate.


Erstveröffentlichung vom Deutschen Arbeitgeberverband am 30. November 2015 (link)

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