22. Februar 2016

Die Sicherheitslage in Deutschland

von Helmut Krebs

Wir leben in einer Kultur der Informationsüberflutung. Tag und Nacht laufen die Fernseh- und Radioprogramme mit stündlichen oder halbstündlichen Nachrichtenblöcken. Beim Leben im Cybernet begegnen uns die Online-Portale der Informationsmedien. Selbst Anbieter von IT-Diensten wie t-online.de oder web.de füllen ihre Seiten mit Infos wie die Medien selbst. Wir sind gut informiert.

Bekanntlich sind nur schlechte Nachrichten «gute» Nachrichten - gut für die Auflage und gut für die wirtschaftlichen Ziele der Nachrichtenunternehmen. Schlechte Nachrichten wie die erste hier aus RP Online, die als oberste Meldung bei Google erschien:

Wirklich gute Nachrichten sind langweilig. Solche wie die zweite Grafik sie uns mitteilt, die ich heute morgen aus den Daten von Statista zusammenstellte.

Statistik zu Mordopfern in Deutschland

Sie zeigt die Entwicklung der Mordopfer in Deutschland seit dem Jahr 2002. Statista brachte nur die absoluten Zahlen. Ich habe sie mit der Einwohnerzahl verknüpft und diese Grafik erstellt. Sie zeigt eine beruhigende Entwicklung. Die Zahl der Mordopfer geht zurück und zwar (in absoluten Zahlen): von 449 im Jahre 2002 auf 298 im Jahre 2014. Neuere Daten sind noch nicht erhältlich. Auch durch die über eine Million Flüchtlinge werden sie sich nicht wesentlich verändert haben - trotz der neonazistischen Überfälle auf Unterkünfte. Es gibt allerdings einige Schmierblätter, die die Öffentlichkeit mit Alarm-Meldungen aufhetzen. Der Kopp-Verlag gehört dazu. Hier eine Kostprobe rechter Hetze. Mordopfer sind die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs. Andere Schwerverbrechen wie Entführung, Erpressung, schwere Körperverletzung usw. korrelieren mit ihnen. Laut Wikipedia (Achung: Dem Wikipedia-Tötungsindex liegt eine andere Berechnungsmethode zugrunde.) liegt Deutschland auf Platz 200 von 218 Ländern nach der Tötungsrate. Es geht kaum besser für ein Land dieser Größe. Schweden und Japan sind noch ein wenig sicherer. Die USA liegen auf Platz 111, Russland auf Platz 66 und die Silbermedaille nimmt das sozialistische Venezuela ein (Rang 2). Sie können es selbst nachlesen.

Deutschland wird mit den Jahren immer sicherer. Wie das? Die Medien sind doch voll mit Nachrichten über Kriminalität, Mord und Totschlag. Der Deutsche an sich ist besorgt. Doch die Sorge wird unentwegt mit sorgenvollen Nachrichten gefüttert, weil . . . nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind. Übrigens: Ich wünsche mir, wir Deutschen wären ein klein bisschen weniger auf Sicherheit und ein großes Bisschen mehr auf Freiheit und Unternehmungslust aus.

Man könnte einwenden, dass die Entwicklung der Mordrate nicht geeignet ist, die Thematik des Terrorismus in den hochentwickelten Ländern zu erhellen. Zwar könnte es sein, dass die Morde zurückgingen, doch in diesen könnten sich die Morde durch Terroristen erhöhen. Daher lohnt sich ein zweiter Blick auf eine Zusammenfassung der Todesfälle aufgrund von Terroranschlägen. Ich entnehme sie Steven Pinkers «Gewalt» (Fischer Verlag 2011, S. 522), das ich gerade lese. Es zeigt die Entwicklung von Todesfällen durch Terrorismus in Westeuropa von 1970 bis 2007 in Fällen pro 100.000 Einwohner. Die Werte liegen im Bereich von 0,12 bis 0. D.h. sie nehmen einen verschwindend geringen Prozentsatz aller Todesfälle ein. Der Trend ging bis 2007 auch deutlich zurück. Damit ist nichts gesagt über mögliche Rückschläge. Die Ereignisse in Madrid (2004, 192 Tode), London (2005, 52 Tode), Norwegen (2011, 91 Tode) und Paris (2015, 153 Tode) können sich wiederholen. Der letzte Zacken bezieht sich auf die Anschläge von Madrid und London. Doch selbst wenn wir diese in Vergleich setzen mit den Jahren 1970 bis 1990, als separatistische und anarchistische Gewalttäter wüteten, ist die Bedrohungslage durch den Islamofaschismus deutlich geringer.

Wie aber sind die Gefahren im Vergleich zum Terrorismus im internationalen Rahmen zu gewichten? Dies zeigt die letzte Grafik, die wiederum von Statista stammt. Es sind Vergleichswerte von Todesopfern durch Terror in den verschiedenen Ländern im Jahr 2011, in dem das Massaker Breviks Norwegen in die Spalte gerückt hat. Die Unterschiede sind selbst in diesem Fall beträchtlich. Sie relativieren doch die tatsächliche Bedrohungssituation und lassen uns die wirkliche Not auf unserer Erde begreifen. Sie ist in den destabilierten Staaten Asiens und Afrikas zu finden.

Die beste Sicherheitspolitik gegenüber dem Terror ist die Befriedung der Unruheherde. Die Beendigung der Bürgerkriege in Syrien, im Irak, in Afghanistan, in Mali, Nigeria und anderen afrikanischen Staaten löst das Flüchtlingsproblem. Wir sollten statt über hochgezogene Brücken zu Europa über dieses Thema diskutieren und das Thema der Arbeitsimmigration sauber davon trennen.

 home